Editorial



Uli Heister

Angst vor der eigenen Sucht

 

 

Eigentlich waren Raucher, so war es jedenfalls zumeiner aktiven Zeit als Nikotinabhängiger, wesentlich toleranter als Nichtraucher. Es hat uns nie gestört, wenn jemand nicht rauchte. Diese Zeiten sind, wie es scheint, endgültig vorbei. Die Gesellschaft ist Rauchern gegenüber längst nicht mehr so tolerant, wie sie es noch vor Jahren war. Schuld sind die Aufklärungskampagnen, die den Nichtrauchern das Hirn vernebeln.

Seit einem halben Jahr ist in Bayern das “Nichtraucherschutzgesetz“ in Kraft - und der Nichtraucher zum Feindbild mutiert. Denn diese Nichtraucher sind ja in letzter Zeit ganz schön gefährlich geworden.
Nichtraucherschutz! Man muss unter diesem Aspekt nur lange genug über dieses Wort nachdenken, und schon gehen einem alle Lichter auf: Nichtraucher-Schutz heißt doch wohl eindeutig: Schützt die Raucher vor den Nichtrauchern! Ist doch logisch!

Aber ich erinnere mich. Schon auf dem Schulhof waren in den Raucherecken stets die interessanteren Leute anzutreffen. Richtig gemütlich und von hoher Lebensqualität war es in der Kneipe erst, wenn die Luft in Eimern transportiert werden konnte. Die durchschnittliche Sichtweite durfte nicht weiter als die Entfernung zwischen zwei Bierkrügen liegen. Und erst wenn am nächsten Tag sämtliche Klamotten in die Wäsche mussten, war es ein richtig schöner Kneipenabend gewesen.

Ich weiß, Ex-Raucher sind am schlimmsten. Vor fünf Jahren habe ich die letzte Zigarette geraucht und nie wieder eine angerührt - weil eine kann genügen, um die Sucht wieder aufleben zu lassen. Und mit jedem Tag der Abstinenz ist meine Toleranzgrenze ein kleines Stück gesunken.
Auf die Frage: „Stört es......?“ antworte ich mutig mit einem Ja. Toleranz hin oder her: Ich weiß es zu schätzen, dass mir im Restaurant keine stinkenden Rauchschwaden mehr direkt in mein Gesicht oder über mein Essen geblasen werden. Es freut mich, wenn Haare und Kleidung nach einem Besuch im Vereinsheim nicht mehr nach Rauch stinken. Und es stört mich, wenn sich auf Spiel- und Sportplätzen Zigarettenstummel ansammeln. Es stört mich, wenn der Vereinswirt seinen versammelten Marlboro-Club zum Rauchen in einen Vorraum verbannt, in dem Kinder kickern oder auf ihre Eltern warten.

Ich weiß aber auch, dass es in einer freien Gesellschaft Räume geben muss, in jeder Einzelne sein Laster ausleben können muss. In zivilisierten Grenzen, versteht sich. Dies macht ein Stück einer freien, bürgerlichen Gesellschaft aus. Keiner will das Diktat des Staates. Aber ohne Rücksicht geht es auch nicht. Bei allem Verständnis für die Angst vor der eigenen Sucht. Es grenzt schon an ein sozial unverträgliches Verhalten, wenn Raucher ihre Umgebung zwingen wollen, mitzurauchen oder sie auffordern, der Gesellschaft fern zu bleiben.

So wie Lawinenschutz Schutz vor Lawinen, Lärmschutz Schutz vor Lärm bedeutet. Der Bande von Besserwissern, die uns das Genießen verbieten wollen, werden wir es schon zeigen. Eine Nichtraucher-Abgabe müssten sie zahlen. Schließlich bezahlt der Raucher den Tabak, die Pfeife, die Zigarre, die Zigarette, die Tabaksteuer - und der Nichtraucher darf ganz umsonst genüsslich mitrauchen. Das ist doch ungerecht. Kinder zahlen natürlich nur die Hälfte, für Kleinkinder und Säuglinge ist das Mitrauchen kostenlos. „Wir haben jetzt einen Club,“ heißt es mittlerweile in vielen Gaststätten. „Einen Raucherclub. Kostet 12 Euro Aufnahmegebühr!“ Klasse, aber nicht mit mir.

Uli Heister, Redaktion BayernTurner