
- Ludwig Steiner vom Gartenbauamt München
Um diese Frage zu klären, habe ich Ludwig Steiner vom Baureferat München - Abteilung Gartenbau- einen Besuch abgestattet.
In seinem Besprechungsraum kommt Ludwig Steiner ohne Umschweife zur Sache. Mithilfe eines Baumschemas erklärt mir der Fachmann zunächst, wie so ein Baum eigentlich funktioniert.
Stark zusammengefasst und vereinfacht kann man sagen: das Kernholz stützt, das Splintholz versorgt den Baum vom Wurzel-
bereich. Das Kambium ist für das Dickenwachstum zuständig, wogegen das Korkkambium für das Wachstum der schützenden Borke des Baumes verantwortlich ist. Wasser und Nährstoffe werden nach oben in die Krone, Assimilate (als Ergebnis der Photosynthese) werden nach unten bis ins Wurzelwerk transportiert.
Dr. Stefan Fiedl, stellvertretender Abteilungsleiter des Gartenbau-
referates der Stadt München: „Bisher liegen uns noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber vor, wie sich die Befestigung von Slacklines auf verschiedene Bäume auswirken. Im Moment gehen wir aber davon aus, dass sich Schäden vermeiden lassen, wenn entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden."
Um eine Beschädigung von vornherein zu verhindern, rät der Experte:
Als Slacker kann man diese Information wie folgt nutzen: Je empfindlicher die Rinde, (abhängig vom Alter, Art und Jahreszeit), desto weniger Spannung sollte angelegt werden und desto effektiver sollte der Baumschutz sein. Ein Teppichrest eignet sich hervorragend – wobei die Dämpfung keine Rolle spielt. Es geht nur darum, einen Abriebschutz zu installieren.
Die Oberseite eines Teppichs ist häufig aus Polyester, das sehr wenig Reibung verursacht. Bei einer Rundschlinge mit Schäkel entsteht eine vertikale Reibung an beiden Seiten des Stammes. An diesen Stellen sollte eine Gleitschicht zwischen Band und Borke angebracht werden, so dass das Band auf der Schutzschicht gleitet und nicht die Borke beschädigt.
Bei einem Ankerstich entstehen die Kräfte dort, wo der Knoten gelegt wird. Liegt der Knoten vor dem Stamm, ist die Situation identisch wie bei einer Rundschlinge mit Schäkel. Wird das System schnürend gelegt, also der Knoten liegt seitlich am Stamm und das System zieht sich zusammen, dann verändert sich die Richtung der Reibungskräfte: je stärker sich das Gurtsystem zusammenzieht, desto mehr verringert sich die Reibung in vertikaler Richtung. Die Reibung in horizontaler Richtung wird stärker. Auch hier ist also dringend ein Baumschutz erforderlich, obwohl man die Reibung mit dem Auge nicht so leicht erkennen kann wie bei einer Rundschlinge.
Generell beruhigt ein effektiver und auch gut sichtbarer Baumschutz nicht nur die Besitzer, sondern auch die Nutzer von Grünanlagen.
Zusammenfassend empfiehlt Ludwig Steiner: „Der Sportler sollte alle Risikofaktoren wie Beschaffenheit der Rinde, Stärke des Stammes, Saftfluss, Breite des Spannbandes und die anzubringende Spannung berücksichtigen, um die Bäume möglichst zu schonen.“
Wenn sich alle Akteure dieser neuen Sportart naturverträglich verhalten, also keine Bäume beschädigen und andere Parkbenutzer nicht gefährden oder belästigen, sollte es für die Sportler in Grünanlagen keine Probleme geben. uh