Das Feuer ist erloschen
Das waren sie also, die XXIX. Olympischen Spiele der Neuzeit in Peking - das Olympische Feuer ist erloschen. 204 Nationen, so viele wie nie zuvor in der Geschichte, nahmen an den Spielen teil.
Was bleibt, sind viele offene Fragen. Allen vorweg: Durften wir uns über diese Olympischen Spiele freuen? Ich meine: ja. Ja, wenn man die Äußerungen etlicher Spitzenfunktionäre, die jedes nur erdenkliche Fettnäpfchen zu ihrem persönlichen Wellnessbereich erklärt haben, mit einem Schulterzucken abtun kann. Ja, wenn man die Solange-nichts-bewiesen-ist-Läufe richtig einzuordnen weiß. Ja, wenn man der Rekordflut und Leistungsexplosion in bestimmten Disziplinen nichts abgewinnt.
Die saubersten Spiele aller Zeiten sollten es werden. Warum hat man denn nicht gleich nach Insulin gefahndet? Warum wurden nicht alle bekannten und zugelassenen Verfahren zur Aufdeckung unerlaubter Substanzen angewendet? Warum wurden einige Koryphäen renommierter Dopinglabors erst gar nicht ins Land gelassen? Genau: weil es die saubersten Spiele aller Zeiten werden sollten.
Alle Dopingproben werden acht Jahre lang eingefroren. Ich freue mich schon jetzt mit dem Olympiasieger der Pekinger Spiele, der seine Goldmedaille, seine Siegerehrung, seine Siegesfeier in sechs oder sieben Jahren erhält. Und natürlich seine entgangenen Startgelder und Prämien. Ach so, mit denen ist der Betrüger längst über alle Berge.
Im Grunde aber waren diese Spiele eine riesige Show. Mit einem enormen Aufwand von geschätzten 27 Milliarden Euro haben die Chinesen nicht nur großartige Sportstätten geschaffen, sondern eine nahezu perfekte Organisation auf die Beine gestellt. Mehr als 30.000 Menschen waren in den vergangenen Jahren an der Erweiterung bestehender Sportanlagen beteiligt, neue Wettkämpfstätten wurden in und um die Stadt gebaut. Ein Gesamtszenario, was so schnell nicht zu überbieten sein dürfte.
Und es wurde alles geboten, was den Sport ausmacht: Helden wurden geboren, Favoriten stürzten. Bilder von Tränen der Freude oder der Enttäuschung gingen rund um die Welt. Randsportarten, die sonst kaum Beachtung in der Öffentlichkeit finden, rückten plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses.
"Die besten Olympischen Spiele aller Zeiten", nennt der ehemalige IOC-Präsident Samaranch, der die Spiele 2001 nach Peking holte, die Wettkämpfe in China. Mit dem Ruf der “größten Spiele aller Zeiten“, wie der Spiegel bemerkt, können wahrscheinlich alle leben.
Die Zeit bleibt nicht stehen. Zurück bleiben eine Menge Fragen. Gespannt sein darf man auf die Reaktionen des mächtigen IOC. Weiter geht es 2010 in Vancouver mit den Winterspielen und 2012 in London, auf die ich mich schon jetzt freue.
Uli Heister, Redaktion BayernTurner
P.S.: Natürlich bleiben die Fragen nach Menschenrechten, Pressefreiheit und Minderheitenschutz im Raum stehen. Der schwarze Peter in dieser Frage liegt jetzt wieder bei den Politikern, wo er eigentlich auch hingehört. Der nächste Staatsmann, der in China auftaucht umdicke Geschäfte in trockene Tücher zu bringen, wird diese Themen mit Sicherheit ansprechen: hinter verschlossenen Türen bei einem stillen Gebet. Man will sich schließlich nichts verderben.