Auf nach Peking



Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Die Olympia-Touristen Hedy und Denise Nguyen aus Unterhaching durften in Peking so manches Abenteuer erleben

Alles hatten sie sich so schön ausgedacht. Am Tag der Eröffnungsfeier waren Hedy und Denise Nguyen, Mutter und Schwester unseres bayerischen Vorzeigeturners Marcel Nguyen, nach einem neunstündigen Direktflug von München in Peking eingetroffen. Die Pass und Visumkontrolle hatten sie überraschend zügig und problemlos hinter sich gebracht und ihr Hotel im Zentrum bezogen. China hatte sich anscheinend auf den Besucheransturm eingestellt.

Marcel und Mutter Hedy

Per Handy hatten sich die Olympiatouristen mit Marcel verabredet. Was sie nicht wussten: wegen der Eröffnungsfeier war die Umgebung um das Olympiastadion weiträumig abgeriegelt. „Wir sind noch nicht mal in Sichtweite des Stadions oder des Olympischen Dorfes gekommen,“ erzählt Marcels Mutter Hedy. Mit Hilfe des Handys versuchte man außerhalb der Absperrung einen Treffpunkt zu fixieren und wollte sich aufeinander zubewegen. Keine Chance. Aus der Familienzusammen- führung wurde an diesem Tag nichts. Die beiden Frauen kehrten zurück in ihr Hotel, Marcel zurück ins Olympische Dorf. „Wahrscheinlich waren wir sogar noch 20 Minuten voneinander entfernt,“ vermutet Denise.

Marcel und Denise während eines Einkaufbummels in Peking

Am nächsten Tag standen gleich die Qualifikationswettbewerbe der Männer auf dem Programm. Hedy Ngyuen und Denise hatten Eintrittskarten für die große Turnhalle. „Zehn, vielleicht zwanzig Fans aus Deutschland versuchten unsere Mannschaft anzufeuern. Natürlich sind wir gegen 18.000 Chinesen nicht so zu Geltung gekommen. Aber es hat gereicht,“ schmunzelt Hedy. Marcel hatte sich am Barren vergriffen, was ihn sehr geärgert hat. Dafür lieferte er eine Spitzenleistung beim Sprung und eine riesige Bodenübung ab. In der Summe war Marcel ganz zufrieden, auch wenn er ein wenig mit dem Barrenfinale geliebäugelt hatte.

Nach dem Wettkampf schrieb Marcel eine SMS: „Wartet auf mich, ich komme gleich auf einen Sprung raus.“ Es war schon fast alles abgebaut und jeder wartete darauf, dass das Licht ausgeht, als das ersehnte Treffen endlich stattfand: Mutter und Schwester oben auf der Empore, kurz vor den Tribünenplätzen, Marcel unten in der Halle. Ein kurzes: „Hallo! Treffen wir uns morgen bei uns im Hotel!“, das war`s. Die weiten Entfernungen in Peking (eine Dreiviertelstunde vom Olympischen Dorf bis ins Zentrum) legt man sinnvoller Weise mit dem Taxi zurück. Vorausgesetzt, man erwischt eins und kann dem Fahrer klarmachen, wo man hinwill. Deswegen hatte Denise, die der chinesischen Sprache mächtig ist, ihrem Bruder einen Zettel von der Tribüne aus zugeworfen, auf dem  der Weg zum Hotel für den Taxifahrer beschrieben war. Mann, oder Frau, muss sich nur zu helfen wissen. Bei ihren späteren Treffen lotsten sie den Taxifahren mithilfe ihrer Handys an den Bestimmungsort. Marcel reichte sein Handy an den Taxifahrer weiter, und Denise konnte dem Fahrer in aller Ruhe den Zielort erklären.

 

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