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Rechtsecke: Schiedsrichterentscheidungen – TatsachenentscheidungenTeil 1: Einführung und ManipulationKeiner liebt ihn wirklich, den 23. Mann auf dem Spielfeld. Mindestens die Hälfte der Spieler und der Zuschauer hat er gegen sich. Spieltag für Spieltag sieht er sich Anfeindungen ausgesetzt. Die Verfechter der Regeln werden oft in eine Schublade gesteckt, in der es von Vorurteilen und Anfeindungen nur so wimmelt. Ist es beim Turnen ähnlich? Kampf- oder Schiedsrichter können sich der öffentlichen Aufmerksamkeit sicher sein. Dies zeigte uns eindrucksvoll der Wett- und Manipulationsskandal der Fußballbundesliga. Doch was tun eigentlich Kampfrichter im Sport? Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking konnten wir täglich deren Tätigkeit verfolgen. Sie leiten den sportlichen Wettbewerb. Dabei beobachten und vergleichen sie die Leistungen und das Verhalten der Sportler. In vielen Fällen haben sie eine naturwissenschaftliche Messung vorzunehmen. Mittels der Messung ermitteln sie z.B., wer von den Athleten am schnellsten gelaufen, am weitesten oder höchsten gesprungen, am schnellsten gefahren oder geschwommen ist. Dabei ist eigentlich nur eine Entscheidung die richtige. Dies soll die Kampfrichterentscheidung sein. Zu den messbaren Feststellungen gehören auch die Überwachung einer Mindestzeit (z.B. beim Bodenturnen), der Haltezeit (z.B. beim Grätschwinkelstütz, Handstand), des Verbleibens innerhalb einer Linienbegrenzung (z.B. beim Bodenturnen) etc. Im Fußball entscheidet bekanntlich die Anzahl der erzielten Tore über Sieg oder Niederlage. Der Schiedsrichter muss feststellen, ob der Ball die Torlinie mit einer vollen Umdrehung überquert hat. Auch dies ist einer Messung zugänglich. Gerade das viel diskutierte “Wembley-Tor“ zeigt uns aber, dass diese Messung je nach Position des Schiedsrichters schwierig sein kann. Auch heute ist noch immer umstritten, ob im Weltmeisterschaftsfinale 1966 zwischen Deutschland und England der Ball die Torlinie überquerte oder nicht. Erinnert sei auch an das sogenannte Phantomtor des Bayernspielers Thomas Helmer im Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen den 1.FC Nürnberg im Jahre 1994: Der Schiedsrichter erkannte auf Tor, obwohl der Ball am Netz vorbei ins Aus ging. Noch schwieriger wird es, wenn der Schiedsrichter nicht nur eine messbare Entscheidung treffen muss, vielmehr eine Bewertung vorzunehmen hat - etwa über das Vorliegen eines Fouls und dessen Konsequenzen. Hierbei kann er leicht auch mal eine unrichtige Tatsachenentscheidung treffen. Und noch einmal schwieriger ist das Treffen der richtigen Kampfrichterentscheidung bei den Sportarten, die dem Kampfrichter die Kompetenz zur persönlichen Bewertung einer sportlichen Leistung einräumen. Viele Sportarten sind davon betroffen. Man denke nur an die Haltungsnoten beim Skispringen, beim Snowboard in der Half Pipe, den Bewertungen beim Tanzen, Boxen, Dressurreiten, Eiskunstlaufen- und nicht zuletzt bei unseren zahlreichen Sportdisziplinen des Turnens. Es stellt sich die Frage, welche Konsequenzen es bei Fehlentscheidungen gibt, ob diese korrigiert werden können oder ob man sie bewusst in Kauf nimmt. In diesem Beitrag beschränken wir uns zunächst auf Fälle der bewussten Fehlentscheidung, der Manipulation. Der Fall: Am 23. August 2004 rief der Oddset-Geschäftsführer der staatlichen Lotterieverwaltung beim DFB an und teilte mit, dass bei zwei Fußballspielen, die von Schiedsrichter Hoyzer geleitet wurden, von einem Wettkunden aus Berlin erhebliche Beträge gewettet wurden. Bei einem dieser Spiele habe der Drittligist SC Paderborn, auf den der Wettkunde gewettet hatte, das DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV trotz eines 0:2-Rückstandes insbesondere durch eine mehr als fragwürdige Elfmeterentscheidung des Schiedsrichters noch gewonnen.
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