Zum Wegwerfen zu schade



Viele neue Ideen bei der ersten Kompaktausbildung in Neustadt bei Coburg rund um die Stundengestaltung mit kurzlebigen Haushaltsartikeln

Von Marion Reuter

 

Erstmals führte der Fachbereich Kindergarten, Schule und Verein in Neustadt bei Coburg eine Kompaktausbildungs-
woche durch. Neben insgesamt 76 Lerneinheiten für alle fünf Module und der anschließenden schriftlichen und praktischen Prüfung musste auch eine Fallanalyse bewältigt werden, was letztendlich für alle Teilnehmer ein enormes Pensum bedeu-
tete. 12-14 Unterrichtsstunden plus Selbststudium und Aus-
arbeitung einer Lehrprobe standen tägl. auf dem Programm.

Eines der Schwerpunktthemen war die Stundengestaltung mit Gegenständen, die man sonst vielleicht achtlos in den Abfall befördert - kurz: mit Müll oder kurzlebigen Haushaltsartikeln.

Gerade bei kleineren Kindern im Kindergarten und in der Grundschule sind diese Utensilien sehr beliebt. Sie sind leicht zu besorgen, kosten meistens gar nichts und sind gut zu verstauen. Die Fantasie der Kinder wird angeregt und das Spielverhalten neu kreiert.

Für unsere Stundengestaltung hatten wir eine Langbank, Plastikkaffeebecher, Putzschwämme, kleine Ringe und Bierdeckel zur Verfügung. Die Teilnehmer waren überrascht, wie vielseitig diese wenigen Materialien einsetzbar sind.

Auf Langbänken, die in fast jeder Turnhalle zu finden sind, kann man die unterschiedlichsten Hindernisse aufbauen. Somit können Stundenbilder mit viel Spaß und Abwechslung versehen werden. Becher können z.B. in unterschiedlichsten Abständen auf die Langbank oder ihre schmale Seite gestellt werden - und schon haben wir die tollsten Aufwärmspiele. Man kann über die Hindernisse vorwärts oder rückwärts steigen, zusammen mit einem Partner oder gar mit geschlossenen Augen. Zum Trainieren der Motorik von Händen und Füßen verwenden wir die anderen Materialien.

Nun stehen Becher auf der Bank - und die nächsten Becher sollten mit den Füßen darübergestülpt werden. Unsere Teilnehmer mussten schnell feststellen, dass dies keine leichte Aufgabe ist. Denn Füße tun nicht immer das, was ihnen angeschafft wird, Motorik funktioniert bei allen Erwachsenen anders. Und dreht man die Langbank dann noch um, wird obendrein auch noch das Gleichgewichtsgefühl gefordert. Aber dank ihres Ideenreichtums stellten sich bei den Teilnehmern schon bald die ersten Erfolgserlebnisse ein. Für eine andere Übung werden Putzschwämme auf der Bank verteilt. Dann gehen wir vorwärts, aber mit geschlossenen Augen. Auf die bereits vorhandenen Schwämmchen muss das nächste aufgetürmt werden, dann darübersteigen und weitergehen. Natürlich sollen die so entstandenen kleinen Türmchen nicht umfallen. Hier ist äußerste Konzentration gefordert, denn leider stürzen die kleinen Gebilde sehr gerne, wenn man auch nur ganz kurz dagegen stößt.

Es geht aber noch weiter. Jetzt werden mit den Händen Becher auf die Schwämme gestellt. Gleichgewicht und das Gefühl in den Füßen werden gefordert - denn es soll ja alles stehen bleiben.

Natürlich ist das immer noch nicht alles. Der kleine Ring soll nun mit den Füßen über die Becher gestülpt werden. Jetzt ist richtige Standfestigkeit gefordert, und außerdem muss man auf einem Fuß stehen können. Der andere soll schließlich den Ring über den Becher bringen. Gar nicht so einfach, aber es war deutlich zu merken, dass es allen viel Spaß machte - und sie “Lust auf mehr“ hatten.

Noch mehr? Aber ja, schließlich war der Bierdeckel noch nicht „verarbeitet“ worden. Dieser musste nun mit dem Daumen und dem Ringfinger der linken Hand unter das Türmchen gebracht werden, ohne dass auch nur ein Teil umfiel.

Diese Aufgabe schult gezielt die Motorik der Hände, die hier ganze Arbeit leisten müssen.

Zum Abschluss der Stunde kann dann ein Spiel erfolgen. In diesem Lehrgang sollten die Teilnehmer mit geschlossenen Augen im Kreuzgang über die Hindernisse steigen. Dabei gab es viel zu lachen, weil viele „unbeabsichtigte“ Figuren entstanden.

Es bleibt nur noch anzumerken, dass am Ende des Lehrgangs alle 15 Teilnehmerinnen ihr Zertifikat für eine bestandene Prüfung in der Tasche hatten. So hatte sich die Mühe und die damit verbundene Anstrengung gelohnt.