Für viele junge Erwachsene in Bayern war der 28. September diesen Jahres ein spannender Tag in ihrem Leben – für einige Politiker übrigens auch...
Erstmals durften sie Demokratie leben und mitbestimmen, wie sich der gerade neu konstituierte Landtag zusammensetzt. Das Wahlrecht der Bundesrepublik Deutschland regelt es so, dass erst ab dem 18. Lebensjahr eine Mitbestimmung über die Köpfe, die uns „regieren“ sollen, möglich ist. Warum aber eigentlich erst ab 18? Trauen wir es Jugendlichen nicht zu, dass sie abschätzen können, welcher Partei oder Person sie ihre Stimme geben können?
Schauen wir auf die Situation im Turn- und Sportverein:
Hier bilden Kinder und Jugendliche rund 40 % aller Mitglieder! Mitbestimmung bei den Jahreshaupt-
versammlungen: in der Regel Fehlanzeige!!
Es gibt immer noch Vereine oder Verbandsgliederungen, die ihre Vorstandssitzungen ohne Anwesenheit der Jugendvertretung abhalten und dann aber über die Belange der Kinder und Jugendlichen entscheiden.
Wer aber der Jugend keine Mitspracherecht einräumt oder die Stimme entzieht, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er diese praktisch entmündigt.
Eine weitere Frage hierzu: Verstehen wir das unter Demokratie?
Auf der einen Seite wollen wir Jugendliche, die sich für die Gemeinschaft engagieren und frühzeitig Verantwortung übernehmen – auf der anderen Seite ist die Mitbestimmung in den Gremien des Vereines oder Verbandes nicht möglich oder nicht erwünscht? Das passt doch irgendwie nicht zusammen.
Deshalb müssen wir uns eigentlich auch nicht wundern, dass es so schwierig ist, Nachwuchs für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.
Mir fällt dazu gerade ein Lied von Herbert Grönemeyer ein: Bei „Kinder an die Macht“ lautet eine Textzeile: „gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun!“ Gut so – denn sie sind meist schonungslos ehrlich, wenn ihre Meinung gefragt ist. Eine Ehrlichkeit, die uns Erwachsene oft schmunzeln lässt – dabei ist sie ja durchaus ernst gemeint.
Vielleicht sollten wir Erwachsene uns nicht so wichtig nehmen und auch im Vereins- bzw. Abteilungs-
leben auf die Ideen, die Kreativität und Spontanität von Kindern und Jugendlichen setzen! Oder wollen wir diese vielleicht nicht ...?
Allen Jugendvertretern oder Jugendleitern kann ich an dieser Stelle nur zurufen, sich hier nicht „unterkriegen“ zu lassen und für eine „wirkliche“ Demokratie unter Berücksichtigung der Interessen aller Altersgruppen – auch im Verein oder Verband – zu kämpfen!
Martin Gierz
Jugendbildungsreferent