So kam bei einem Experten-Gespräch heraus „dass vier Prozent der elfjährigen Kinder in Italien, zwölf Prozent der zwölfjährigen Jungen und siebzehn Prozent der dreizehnjährigen Jungen bereits - erlaubte, aber massiv überdosierte – Eiweißnahrung, wie Kreatin zu sich nehmen. Hat man erst einmal diesen Schritt gemacht, ist der Weg zum Doping auch nicht mehr so weit.

Eine sehr verantwortungslose Art, Hemmschwellen zu verringern, ist das unwissentliche Doping - vor allem von Frauen und Mädchen. Zumeist verteilen Trainer Dopingmittel, die sie fälschlicherweise als Vitaminpräparate ausgeben. Kommen die Leidtragenden dahinter, ist die Hemmschwelle meist schon so tief, dass sie selbst weiterdopen. Selbst Sportlerinnen und Sportler, die eigentlich gegen Doping eingestellt waren, werden dazu verführt.

So auch eine Sportlerin aus der Trainingsgruppe des ehemaligen Leichtathletikbundestrainers Jochen Spilker. Später schilderte sie in der Zeugenvernehmung vor Gericht, wie bei ihr der Prozess der Verführung stattfand. (vgl. Randspalte)

Häufig haben solche “Dopingverführer“ eine ganz eigene Logik für ihr Verhalten, wie zum Beispiel „Da alle dopen, stelle ich durch mein Doping die Chancengleichheit erst wieder her“ oder „durch meine ärztliche Kontrolle verhindere ich eigenmächtige Überdosierungen mit Dopingmitteln und dadurch Gesundheitsschäden.“

Der Trainer oder Arzt versucht durch Rationalisierungen, die Gewissensbisse seines unmoralischen Handelns durch moralische Argumente zu neutralisieren und auszuschalten. Für viele jüngere Sportlerinnen und Sportler, die sehr von ihrem Trainer geprägt wurden, ergibt sich daraus natürlich eine eigene Logik, die sie für richtig halten.

Deshalb ist es wichtig, dass vor allem Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler schon frühzeitig lernen, eigenständig zu denken, um sich durchaus gegen negative Beeinflussung zu Wehr setzten zu können. Sie können sich ihre eigene Meinung bilden und der Verführung durch ihr Umfeld wiederstehen. Dafür ist es jedoch unentbehrlich, dass sie sich mit den Umständen und Taktiken der „Dopingverführer“ auskennen. Auch die Unterstützung und Aufklärung des Nachwuchses durch ihre Eltern spielt eine wichtige Rolle.

 
uh/ae    Quelle: Deutsche Sportjugend  /  Fotos: fotolia (ExQuisine, Baltazar)

 

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