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Jugendturnen



 

 

 

Landesfachwart



Uwe Schmidt

Neue Heimat 69

96450 Coburg

Tel.: 09561 / 2 44 60,

Fax: 09561 / 2 45 79

Mobil: 0170 / 8 53 25 20

e-Mail: uwe(at)jugendturnen.net

 

Jugendturnen in Bayern



I. Allgemeines

Unter Jugendturnen versteht man nicht, wie viele annehmen, das Turnen von Jugendlichen im Allgemeinen, sondern spezielle, für die Turnerjugend geschaffene Wettkämpfe.

Diese sind zum einen der Gruppenwettstreit mit den Angeboten

  • TGM (Turnerjugend-Gruppen-Meisterschaft)
  • TGW (Turnerjugend-Gruppen-Wettkampf)
  • KGW (Kinder-Gruppen-Wettkampf)

die als Mannschaftswettkämpfe konzipiert sind und dem

  • Turnerjugend-4-Kampf

der als Einzelwettkampf durchgeführt wird.

Bayern gilt bundesweit als Hochburg in den Bereichen TGM und TGW, was sowohl die Qualität als auch die Quantität der Gruppen anbelangt. Bayern stellte in den letzten Jahren viele Deutsche Meister (TGM) und Bundessieger (TGW).

Zuständig für das Fachgebiet Jugendturnen ist auf Landesebene der Landesfachausschuss Jugendturnen, der die Richtlinienkompetenz für die Bereiche TGW, KGW und Tuju-4-Kampf hat. (Die Richtlinienkompetenz für TGM liegt beim DTB). Dieser Fachausschuss ist zum einen dem Referat Wettkampf- und Breitensport im Bayerischen Turnverband (Fachliche Arbeit), als auch der Bayerischen Turnerjugend (Jugendarbeit, der Landesfachwart ist Vorstandsmitglied der BTJ) angegliedert.

In den Bezirken und Gauen sorgen die Bezirks- und Gaufachwarte für Jugendturnen für die Umsetzung der Aufgaben.

 

II. Historisches

Vom Wimpelwettstreit zu TGM und TGW

Auf Vorschlag des damaligen Turnerjugendführers, Nikolaus Bernett, fand 1924 beim 2. Deutschen Turnerjugendtreffen in Marburg erstmals ein „Wimpelwettstreit“ statt. Der Wettkampf wurde in Gruppen ausgetragen und zwar entweder in reinen Jungen oder Mädchengruppen oder in gemischten Gruppen. Jede Gruppe musste ein eingeübtes Lied vorsingen sowie einen Tanz und eine Turnübung gemeinsam zeigen. Der verantwortliche Wettkampfleiter, Otto Brünning, aber auch die Teilnehmer waren vom Verlauf und Ergebnis des neuartigen Wettkampfes überzeugt und fanden, dass der „Wimpelwettstreit“ in Zukunft „…ein gutes Stück jedes Turnerjugendtreffens…“ ausmachen werde.

Leider konnte dieser Wimpelwettstreit bei den nächsten Turnerjugendtreffen nicht mehr wiederholt werden. Beim Deutschen Turnfest 1933 in Stuttgart wurde er gar durch einen Mannschaftswettkampf im Wehrturnen ersetzt! Erst nach dem Krieg lebte die Idee des Gruppenwettstreits wieder auf. Ein neuer Wettkampf wurde für das Deutsche Turnfest in Hamburg 1953 geschaffen, der DTVG (Deutscher Turnvereinsgruppenwettstreit) und erstmals wurden bei einem Deutschen Turnfest auch Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zugelassen. In nimmermüder Begeisterung rühmten die Berichterstatter den Gruppenwettstreit als vielseitigen und schönsten Wettbewerb der Turnerjugend, als Glanzpunkt ihrer wettkämpferischen Betätigung. Seit dieser Zeit gilt der Wettbewerb als Inbegriff turnerischer Jugendarbeit.

Wie aber kam der Gruppenwettstreit nach Bayern?

Max Prutscher, damals als Landesjugendturnwart verantwortlich für das Gerätturnen der männlichen Jugend, nahm 1953 am Deutschen Turnfest in Hamburg teil und er war sichtlich begeistert von der neuen Art des Turnens, die nach seiner Meinung eine echte Alternative zum Gerät- und Kunstturnen darstellte. So organisierte er bereits 1955 beim 1. Landesjugendtreffen in Kempten den Gruppenwettstreit für 8-Paar- und 4-Paar-Gruppen. Beim 2. Landesjugendtreffen in Regen-Raithmühle, Niederbayern, starteten bereits Mädchen- und Jungengruppen im so genannten „Wimpelwettstreit“.

Max Prutscher hat in seiner Zeit als Landesfachwart für Jugendturnen noch zahlreiche Landesjugendtreffen organisiert, wie 1966 in Memmingen, 1972 in Füssen usw. Er ist unumstritten der eigentliche Initiator für das so erfolgreiche Jugendturnen in Bayern. Auch wenn Max Prutscher am 13. Februar 2003 – zwei Wochen vor Vollendung seines 90. Lebensjahres – verstarb, wird seine Idee (hoffentlich) noch lange weiterleben.

 

III. Fachliches

Der Gruppenwettstreit

Faszination Gruppenarbeit

Die ungewöhnliche Vielseitigkeit vereint Tradition und Fortschritt zu einer  spannenden Kombination von Disziplinen. Aber nicht nur der Sport ist bedeutend, genauso ist die Gemeinschaft für den einzelnen wichtig, das Einfügen in eine Gruppe und gleichzeitig auch das Gefühl, von einer Gruppe als einzelner getragen zu werden. Das spricht klar gegen die Vereinzelung und den Individualismus unserer Zeit und des Sports, gegen Spezialisierung und Rekordsucht.

 

 

 

 

Die Turnerjugendgruppen-Meisterschaft (TGM)

Bis zu 12 Teilnehmer bilden eine Mannschaft, die einen Wahl-Vierkampf aus den Disziplinen

  • Gruppenturnen am Boden mit oder ohne Kasten
  • Singen in der Gruppe
  • Tanzen in der Gruppe
  • Gruppengymnastik mit Handgerät
  • Rundenstaffel 4 x 100 m (1 bzw. 2 Runden)
  • Schwimmstaffel 4 bzw. 8 x 50 m
  • Medizinball-Weitwurf
  • Orientierungslauf

absolviert. Gebildet werden gemischte Gruppen und Mädchengruppen. Darüber hinaus gibt es in Bayern auch noch die TGM-Jungengruppen, denen zusätzlich das Gruppenturnen am Barren angeboten wird.

 

Der Turnerjugendgruppen-Wettkampf (TGW)

Bis zu 12 Teilnehmer bilden eine Mannschaft, die einen Wahl-Vierkampf aus den Disziplinen

  • Gruppenturnen am Boden mit oder ohne Kasten
  • Singen in der Gruppe
  • Tanzen in der Gruppe
  • Gruppengymnastik mit Handgerät
  • Pendelstaffel 4 bzw. 8 x 75 m
  • Schwimmstaffel 4 bzw. 8 x 50 m
  • Medizinball-Weitwurf
  • Orientierungslauf

absolviert. In Bayern wird den Gruppen zusätzlich in bestimmten Altersklassen das Gruppenturnen am Barren angeboten.

Die einzelnen Disziplinen werden nach alters und geschlechtsspezifischen Tabellen getrennt bewertet (Ausnahme TGW Nachwuchsgruppe 1). Die Siegerermittlung der TGW-Gruppen erfolgt geschlechtsabhängig, die der TGW Nachwuchsgruppen erfolgt jeweils geschlechtsunabhängig in einer gemeinsamen Liste.

 

Der Kindergruppen-Wettstreit (KGW)

Bis zu 12 Teilnehmer bilden eine Mannschaft, die einen Wahl-Dreikampf aus den Disziplinen

  • Gruppenturnen am Boden mit Kasten (Mattenkreuz)
  • Tanzen in der Gruppe
  • Singen in der Gruppe
  • Hindernisstaffel oder Pendelstaffel
  • Ball-Weitwurf
  • Schwimmstaffel

und eine Überraschungsaufgabe absolviert. Die Überraschungsaufgabe ist als 4. Disziplin Pflicht für alle Teilnehmer. Die Gruppen werden nicht geschlechtsspezifisch aufteilt.

Es gibt 2 Altersklassen:

  • KGW 1 (6 – 12 Jahre)
  • KGW 2 (6 – 9 Jahre)

 

Der Turnerjugend-4-Kampf (Tuju-4-Kampf)

Den Turnerjugend-4-Kampf gibt es nur in Bayern. Er wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um ausscheidenden Gruppenmitgliedern einen Wettkampf anbieten zu können. Mittlerweile hat sich der Tuju-4-Kampf als eigenständige Wettkampfform in vielen Turnbezirken und -gauen etabliert:

Der Tuju-4-Kampf ist ein Einzelwettkampf bestehend aus folgenden Disziplinen:

  • Minitrampolinspringen
  • Bodenturnen auf einer 12 m Bahn
  • 75 m Lauf
  • 50 m Brust- oder Freistilschwimmen

Beim Minitrampolinspringen kann der Turner einen Sprung aus 4 Pflichtsprüngen mit versch. Schwierigkeitsgraden auswählen. Beim Bodenturnen stellt sich der Turner eine Übung unter Verwendung folgender Pflichtteile selbst zusammen:

  • Handstützüberschlag seitwärts mit Drehung in die Bewegungsrichtung (Rad)
  • Aufschwingen in den Handstand, Abrollen
  • Rolle rückwärts durch den Handstand (Felg- oder Kipprolle ist erlaubt)

Nur für die Jahrgangsklasse E:

  • Rolle rückwärts durch den hohen Hockstütz (mit Strecken der Arme)

Die Übung soll durch weitere Teile ergänzt werden. Erlaubt sind max. 2 Bahnen (Einmal hin und zurück).

 

Weitere Informationen erhaltet ihr in der Broschüre:

„Die Wettkampfformen des Jugendturnens in Bayern“

Die komplette Broschüre kann kostenlos auf der Internetseite der Bayerischen Turnerjugend unter www.btj.de  unter dem Button „Wettkampfformen und Dokumente“ heruntergeladen (PDF-File, ca. 700 kb) werden.

Auf dieser Internetseite werden auch alle Wettkämpfe, Lehrgänge und sonstige Maßnahmen aus dem Bereich Jugendturnen veröffentlicht.